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22 – 23.Nov. 2025 / Festival für neue Dramatik über Krieg, Repressionen und Migration

Wann: 22-23.November 2025
Wo: Depot – Kunst und Diskussion, Breite Gasse, 3, 1070 Wien
Live on YouTube: https://www.youtube.com/@festival.lubimovka
Eintritt ist frei

Vom 22.–23. November 2025 findet im Depot in Wien erstmals das Festival neuer Dramatik „Ljubimowka – Echo“ statt.Regisseur:innen und Schauspieler:innen aus Österreich und Deutschland präsentieren sieben neue Stücke russischsprachiger Autor:innen – aus verschiedenen Ländern, viele im Exil – in deutscher Übersetzung. Das Festival wird von der künstlerischen Leitung von „Ljubimowka“ mit Unterstützung des Dialogbüro Vienna organisiert. Kuratorin des Festivals ist Anastasia Patlay, Regisseurin, Dramatikerin und eine der künstlerischen Leiterinnen der „Ljubimowka".
Большинство пьес прочитают на немецком языке с русскими субтитрами. Исключения: «Бобик» — видеопьеса на русском языке с немецкими титрами; «Запретные чувства во время войны» — пьеса на украинском, немецком и русском, с субтитрами.

Die meisten Theaterstücke werden auf Deutsch mit russischen Untertiteln gelesen. Ausnahmen: „Bobik“ — ein Videostück auf Russisch mit deutschen Untertiteln; „Verbotene Gefühle während des Krieges“ — ein Stück auf Ukrainisch, Deutsch und Russisch, mit Untertiteln.

Programm

SAMSTAG 22. November 2025

15:00 Festivaleröffnung

15:15 Eröffnungsstück:
Frauen im Dunkeln von Iryna Serebriakova & Masha Denisova (Kyjiw / Warschau) + Männer am helllichten Tag von Iryna Serebriakova (Kyjiw / Warschau)

Regie: Ivan Strelkin & Ira Süssenbach
Frauen im Dunkeln (übersetzt von Satchel Reemtsma).
Gespräche ukrainischer Frauen über das Leben in der Stadt während des Kriegs
Männer am helllichten Tag (übersetzt von Johanna Marx und Claudia Zecher)
Gespräche ukrainischer Männer über das Leben während der Mobilmachung, über Dienstverweigerer und Freiwillige, über menschenleere Städte und den Verlust von Beziehungen, über Angst, Liebe, Verwirrung und Halt.

18:00 Götterspiel. Theatrale Untersuchung eines Kriegsverbrechens von Marius Ivaškevičius (Vilnius) – ausgezeichnet von Eurodram 2025

Übersetzung: Ruth Altenhofer, Johanna Marx, Claudia Zecher
Regie: Greta Susceviciute
Eine Untersuchung von männlicher Dominanz und Gewalt im Krieg und in patriarchalen Gesellschaften, verfasst anhand der Berichte von Frauen, die die Belagerung von Mariupol im Jahr 2022 überlebt haben. Im Zentrum steht die Geschichte von Anna Belobrova, der Witwe des litauischen Dokumentarfilmers Mantas Kvedaravičius, der in Mariupol von russischen Militärangehörigen ermordet wurde.

20:30 Verbotene Gefühle ...in Zeiten des Kriegs (Hamburger Literaturpreis 2025) von Nana Grinstein, Nadiia Humeniuk, Friederike Meltendorf, Natalia Reznichenko, Julia Solovjeva, Julia Zeichenkind, Henrike Schmidt (Hamburg)

Die Autor*innen lesen in drei Sprachen: Ukrainisch, Deutsch und Russisch.
Deutsche Übersetzung: Friederike Meltendorf, Henrike Schmidt
Ein dokumentarisches Projekt, das im ersten Kriegsjahr begann. Am Anfang standen Interviews mit Menschen aus der Ukraine, Russland, Deutschland und anderen Ländern, die den Krieg erlebt oder reflektiert haben. Ergebnis ist ein Stück aus anonymisierten Äußerungen, die widersprüchliche, unterdrückte, „verbotene“ Gefühle thematisieren. Es schafft Raum für eine ehrliche Auseinandersetzung und den Versuch, einander zu verstehen.

SONNTAG 23. November 2025

13:00 Offener Runder Tisch mit Übersetzer*innen, Autor*innen und Festivalteilnehmer*innen

Moderatorin: Alla Schenderowa, Theaterkritikerin und Forscherin

15:00 Wanja ist am Leben von Natalia Lizorkina (Moskau / Tbilisi)

Übersetzung ins Deutsche und Lesung: Maria Agni
Ein Monodrama über eine Soldatenmutter und die Stimmen, die sie umgeben. Geschrieben im März 2022, gilt es als eines der wichtigsten russischen Theaterstücke seit Beginn der großangelegten Invasion. Die englischsprachige Uraufführung 2023 beim Edinburgh Fringe Festival wurde sowohl vom Publikum als auch von Kritiker:innen (The Financial Times, The Scotsman, The Edinburgh Reporter, The Theatre Times etc.) begeistert aufgenommen.

16:30 Bobik - Gefangenentransporter von Liza Kaschintseva (Moskau)

Ein Videostück von Liza Kaschintseva, übersetzt von Ruth Altenhofer (Untertitel)
Die Proteste in Moskau in den Jahren 2021 und 2022 als Challenge: Schafft es Liza, festgenommen zu werden und im Gefangenentransporter („Bobik“) mitzufahren? Ein Stimmungsbild aus jugendlicher Perspektive – berührend und beklemmend.

18:00 Say hi to Abdo von Mikita Iljintschik (Nawahrudak / Warschau)

Übersetzung: Ruth Altenhofer, Johanna Marx, Claudia Zecher
Regie: Senya Romin
Ein Gerichtssaal in nicht allzu ferner Zukunft. Feministische Islamistinnen haben die Weltherrschaft übernommen und gehen mit der menschenverachtenden Praxis der heutigen Allianzen ins Gericht. Konkret mit Grenzpolizisten, die an Pushbacks an den östlichen EU-Außengrenzen beteiligt waren. Wenn Tausende Menschen als Druckmittel im „hybriden Krieg“ eingesetzt und vernichtet werden – wer ist schuld an ihrem Tod?

20:00 Ende


Was ist „Ljubimowka“?

Ljubimowka ist ein unabhängiges Festival für neue Dramatik, das bis 2022 jährlich in Moskau stattfand – das zentrale Ereignis für junge russischsprachige Dramatiker:innen weltweit. Ein Fest der radikalen Freiheit, in dem Autor:innen unzensiert Position beziehen konnten. Jährlich gingen über 700 Stücke zum Open Call ein, von denen 20 bis 25 für szenische Lesungen ausgewählt wurden.

Nach Kriegsbeginn 2022 erklärte das Festival öffentlich seinen Protest gegen die russische Aggression, wodurch seine Durchführung in Moskau unmöglich wurde. Im September 2022 rief Ljubimowka einen internationalen Open-Call für russischsprachige Antikriegs-Dramatik aus. Diese Stücke werden heute weltweit bei Ljubimowka – Echo gelesen – einer Art Antikriegsbewegung von Theatermacher:innen, die Russland aus Protest oder aus Angst vor politischer Verfolgung verlassen haben.


Traditionsbedingt handelt es sich bei Ljubimowka um russischsprachige Texte, die in die jeweilige Landessprache des Austragungsorts übersetzt werden. Die Themen der Stücke bewegen sich um Krieg, Repression und Migration und daraus entstehende Widersprüche.

Bisher gab es Ljubimowka – Echo in: Los Angeles, Berlin, Paris, Zürich, München, Frankfurt/Main, Prag, Belgrad, Warschau, Helsinki, Tallinn, Tartu, Narva, Jyväskylä, Istanbul, Granada, Jerevan, Baku, Tiflis, Haifa und Tel Aviv.